Aufgabe Nr.1

 

Thema: Warum  ich schreiben lernen will.

 

Von früher Leidenschaft
Die Kapitelüberschrift deutet es schon an, ich möchte die Frage, die dieses Thema stellt, mit einem Rückblick zu beantworten, beginnen.
Ich bin im September 1955 eingeschult worden. Um es gleich vorwegzunehmen, ich war vom ersten Tag ein äußerst schlechter Schüler. Keinesfalls dumm, jedoch knochenfaul. Es gab allerdings einige, wenige Ausnahmen. Eine davon war, das Fach lesen. Nicht das ich es wie von selber gelernt hätte, oder es mir zugeflogen wäre; mitnichten. Ich musste es, wie jeder, üben.
Ich glaube, mich erinnern zu können, dass ich die alte deutsche Druckschrift eher flüssig lesen konnte, als jene, in der die Schulbücher gedruckt worden waren.
Na ja, vielleicht ging das auch parallel. Es ist ja schon ein Weilchen her. Das große Buch der deutschen Märchen, sowie der Helden- und Göttersagen, war mein erstes Leseopfer. Dick, schwer, mit goldener Schrift auf rotem Einband. Wenngleich ich nicht alles verstand, habe ich es doch geliebt.
Aufsätze wurden zu meinen Lieblingsarbeiten. Ich kann mich an keinen erinnern unter dem die Benotung anders lautete als, Inhalt 1, Ausdruck 1, Rechtschreibung 5. Bei der Fünf handelte es sich um die schlechtest mögliche Note.
Noch heute hadere ich mit der Rechtschreibung. Vor allem mit der Kommasetzung. Ich hoffe, dass nicht grade der vorliegende Beitrag, zur besten Beweisführung dieser Behauptung dient.
Lesen wurde rasch zu meiner Hauptbeschäftigung.
Den politischen Umständen geschuldet, natürlich viel sowjetische und russische Autoren, Autoren des sogenannten sozialistischen Realismus. Aber auch Klassiker wie Dumas, Defoe oder Dickens.
Im Alter von zehn Jahren etwa, habe ich begonnen, selber  Geschichten zu erfinden und niederzuschreiben.           Immer weiter
Sehr schnell musste ich feststellen, dass mir Geschichten, die ich niedergeschrieben hatte und einige Zeit später noch einmal gelesen habe, nicht mehr gefielen. Streckenweise fand ich sie peinlich.
Von Seiten meiner Bekannten oder gar meiner Familie konnte ich keine Unterstützung erwarten.
Das Interesse meines Vaters für die literarischen Ambitionen seines Sohnes gipfelte in der Bemerkung: »Mein Sohn, du bist ein zweiter Goethe. Du hättest für den ersten sterben sollen, dann hätten wir noch heute einen großen deutschen Dichter.« Na bravo! Jetzt bin ich auch daran noch schuld.
Lehrzeit, Armeezeit, dazu Pubertät, erste Hochzeit (es folgten weitere), ließen kaum Zeit zum Schreiben.
Außerdem eine Konfrontation mit dem sozialistischen Staat, die mich für einige Jahre nach Bautzen ins Gefängnis brachte.
Danach, in den Achtzigern, schrieb ich schon mehr. Versuchte mich sogar mit diesem Staat zu arrangieren. Ich machte Entwürfe zu einem Theaterstück über eine fiktive lateinamerikanische Diktatur, ähnlich wie die in Chile.
Einige Gedichte, vor allem nach dem Vorbild von Eugen Roth folgten.
Zum ersten Mal versuchte ich mich in einer Fantasygeschichte. Obwohl mir dieser Begriff damals noch kaum geläufig war. Peter Ende wurde in der DDR nicht verlegt und Tolkin war mir unbekannt.
Eins allerdings ist geblieben. Wenn ich eine Geschichte, die ich geschrieben hatte, nach einiger Zeit erneut gelesen habe, fand ich sie alles Andere als gut.              Fazit
Persönliche Irrungen und Wirrungen des letzten viertel Jahrhunderts haben mich davon abgehalten, meinen literarischen Ambitionen, professionell nachzugehen.
Nachdem ich nun Rente beziehe, habe ich begonnen, verstärkt zu schreiben.
Ich publiziere in Literaturforen, bei bookrix, sowie für einen kleinen Verlag in Wien. Dort ist im Sommer auch mein erstes Buch, ein Fantasybuch, erschienen. »Ellipirelli und das große Rennen«
Nur eins ist geblieben. Immer, wenn ich meine Geschichten nach einer Pause erneut lese, finde ich sie schlecht und muss sie verändern. Jedes Mal.
Das ist wie eine Krankheit. Die möchte ich jetzt mit der Schule des Schreibens kurieren. Deshalb will ich schreiben lernen und lese das hier nicht noch einmal, sonst schicke ich es nie ab.